OSTRAMONDRA
PROVINZ SACHSEN — REGIERUNGS-BEZIRK MERSEBURG — KREIS ECKARTSBERGA
von
Alexander Friedrich Wilhelm Duncker (*18. Februar 1813 in Berlin; †23. August 1897 in Berlin);
deutscher Verleger und Buchhändler
(Grammatik und Orthographie im Original) 

 

In der Mitte zwischen der „hohen Finne" und der Weimarischen Grenze liegt im gesegneten Thüringen das Rittergut O s t r a m o n d r a, sechs Stunden von der Residenz Weimar entfernt, am Zusammenflusse des Schafau und Krebsbaches, reich an gutem Weizenboden.
Das Schloss ist umgeben von einem breiten Wallgraben, der lange Zeit trocken war, aber seit fünfzehn Jahren wieder Wasser hat, in welchem gute Karpfen gezogen werden. Die sonst hölzerne Zugbrücke ist seit dreissig Jahren in eine steinerne verwandelt. An Artland, Wald und Wiesen besitzt das Rittergut 1700 Morgen. Seine Lehnsherren sind die Stolbergischen Grafen, deren Consistorium im Vereine mit dem Stolberg - Rosslaer Consistorium die Oberaufsicht über die Pfarreien und Schulen in Ostramondra und Roldisleben führt. Das letztere Dorf liegt eine Stunde von Ostramondra entfernt. In beiden Dörfern gehört das Patronat dem Ostramondaer Rittergute. Auf der Stelle, wo jetzt, ganz nahe dem Rittergute, die freundliche, mit grossen Deckengemälden geschmückte Dorfkirche steht (1712 erbaut), stand sonst die zum Rittergute gehörige Kapelle „beatae Mariae". Die Gemeinde hatte bis 1712 ihr Gotteshaus (Sancti Pancratii) auf dem Friedhofe. Ueber die ältesten Besitzer des Rittergutes fehlen fast alle Nachrichten. Nur so viel ist gewiss, dass Ostramondra schon früh zur Herrschaft Frohndorf gehörte und mit dieser Herrschaft im Jahre 1448 vom Grafen Günther von* Belebungen an den Stolbergischen Grafen Botho VI. verpfändet und zwanzig Jahre später verkauft wurde. Seit dieser Zeit sind Ostramondra und Roldisleben unter der Stolbergischen Lehns- und geistlichen Hoheit geblieben. Zum letzten allgemeinen Landtage der drei Grafschaften Stolberg, Wernigerode und Hohnstein (am 28. Oktober 1560) sind auch Antonius und Philips Knautt zu „Ostermundra" geladen worden. Noch vor 1572 wird der Junker Barthelmes Knautt als Herr von „Ostermundra" erwähnt. Die Familie von Thangel scheint Ostramondra längere Zeit besessen zu haben. Als die letzten dieser Familie werden genannt: 1704 „der gestrenge Herr" Wolff Friedrich von Thangel und 1705 der Lieutenant Johann Friedrich von Thangel. Dann tritt die Familie von Bünau ein, von 1708 bis 1772. Nämlich Rudolph von Bünau, Chursächsischer Obrist und Kriegsrath sowie Erb- und Gerichtsherr auf dem nahen Harras, geboren zu Altenburg am 29. Juli 1659, gestorben zu Brüssel am 5. November 1709, in der Kapelle zu Ostramondra beigesetzt am 30. April 1710. Ihm folgte der Chursäcbsische Hauptmann Heinrich von Bünau, gestorben am 15. August 1723. Später werden noch erwähnt der Chursächsische Rittmeister Heinrich von Bünau und der Sachsen-Weimarische Major Rudolph von Bünau. 1772 wurde Ostramondra käuflich erworben vom Stiftshauptmann von Sperling auf Balgstedt bei Freiburg an der Unstrut, bei dessen Familie es blieb bis 1829, wo es in bürgerliche Hände überging. Johann Gottlob Schubert, ein ,Kaufmannssohn aus dem nahen Cölleda, kaufte es für den billigen Preis von 60,000 Thlr. — So billig, weil alle Gebäude und auch der Wald in trostlosem Zustande waren. Innerhalb eines Menschenalters veränderte sich Alles. Das Schloss wurde im Innern erneuert; alle Wirtschaftsgebäude wurden von Grund aus massiv erbaut und zwar im grossen Massstabe; der Wald wurde treulich gepflegt. Viele ßauern-Aecker, sieben Bauern-Häuser mit Gärten und die hunclertzweiundvierzig Morgen des kleinen Rittergutes im nahen Rettgenstedt kaufte der rastlose Mann zusammen und vereinigte sie mit seinem Rittergute. Wer Ostramondra vor vierzig Jahren gesehen, erkennt es jetzt nicht wieder. Schubert starb am 13. Februar 1864 unverheirathet, nachdem er als Universalerben eingesetzt hatte den Grossherzoglich Weimarischen Kammerjunker und Premierlieutenant ä la suite, Carl Friedrich Adelbert von Müller auf Bergern(den Enkel des viel genannten Wirklichen Geheimen Raths und Kanzler von Müller in Weimar). Er führt jetzt den Namen: von Müller - Schubert und ist seit dem 3. Mai 1864 vermählt mit Anna Sophie, geborene Gräfin von Bothmer aus München.

Quelle: http://www.zlb.de/digitalesammlungen/SammlungDuncker/10/545%20Ostramondra.pdf


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